Der Bayernligaaufstieg als Erlösung und perfekter Abschied
Die Kapitäne Michael Barthuber und Johannes Lindner verlassen Wasserburg nach erfolgreicher Relegation
„Ich bin als Eggstätter gekommen. Ich gehe als Wasserburger“, sagte Johannes Lindner am Pfingstmontag nach der erfolgreichen Relegation und dem Aufstieg in die Bayernliga. Für den 32-Jährigen war das 2:0 in Hauzenberg ebenso wie für seinen langjährigen Weggefährten Michael Barthuber (31) eine ganz besondere Begegnung: Es war einerseits ihr größter Triumpf und andererseits ihr letztes Spiel für die Löwen. Beide Routiniers werden den TSV 1880 Wasserburg im Sommer verlassen. „Ich möchte den Aufwand nicht mehr betreiben“, berichtet Lindner, dessen neuer Verein demnächst bekannt gegeben wird. „Ich werde aus privaten Gründen erst einmal eine Fußballpause einlegen. Meine Fußballschuhe an den berühmten Nagel hängen, werde ich aber noch nicht. Solange mein Körper mitspielt, möchte ich danach als Aktiver weiterhin auf dem Platz stehen“, so Barthuber. „Ich setze mich da aber nicht unter Druck und freue mich erst einmal auf die nächsten Monate.“
Beide Spieler haben in Wasserburg ihre Spuren hinterlassen. Barthuber kam 2019 an die Landwehrstraße 10 und erzielte in Kottern den ersten Bayernligatreffer der Löwen überhaupt. Noch länger war Johannes Lindner in Wasserburg. Der Verteidiger wechselte bereits 2016 zu Kreisligazeiten in die Innstadt. Im Gespräch mit unserer Zeitung schauen die beidenWasserburger Kapitäne zurück auf ihre langen Jahre bei den Löwen. Es geht dabei vor allem um die vergangenen Saisons, in denen der Bayernligaaufstieg oft denkbar knapp und dramatisch verpasst wurde, das Saisonfinale sowie die Relegation gegen Hauzenberg.
Herr Lindner, Sie sind mit den Löwen viermal aufgestiegen, davon zweimal in die Bayernliga. Wie ordnen Sie den Aufstieg vom Pfingstmontag ein?
Lindner: Für mich persönlich war es aufgrund der langen, harten Arbeit der größte Erfolg meiner Karriere. Dieses Mal hatte ich mehr Verantwortung als zuvor. Der Erfolg ist sehr flüchtig, der Weg dorthin ist oft das Spannende und diese Geschichten kann ich mein Leben lang mit Stolz erzählen, das bleibt für immer. Für den Verein war es meiner Meinung nach auch der größte Erfolg. Der Verein hat sich nach dem steilen Aufstieg im hochklassigen Amateurfußball etabliert und ist nachhaltig aufgestellt. Der lange Weg zurück in die Bayernliga ist dafür sinnbildlich.
Für Sie war es der erste Aufstieg mit den Löwen, Herr Barthuber.
Barthuber: Die Rückkehr in die Bayernliga ist für den gesamten Verein natürlich eine Wahnsinnssache und neben dem Aufstieg 2019 der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Es freut mich sehr, ein Teil davon sein zu dürfen.
Der Abstieg 2022 ist längst verarbeitet. Wie tief saß danach der Stachel der knapp verpassten Aufstiege?
Barthuber: In den letzten Jahren war uns allen bewusst, dass wir zu den Spitzenmannschaften der Landesliga zählen und der Aufstieg zur Realität werden kann, wenn wir unser Level weiter steigern.
Klar gab es Momente, wie nach dem verpassten Aufstieg in der Relegation vor zwei Jahren, die nicht leicht zu verarbeiten waren und wir uns die Frage gestellt haben, was uns für einen solchen Erfolg noch fehlt. Nichtsdestotrotz sind wir immer auf unserem Weg geblieben und haben immer daran geglaubt, es irgendwann schaffen zu können.
Lindner: Das Relegations-Drama in Regensburg war schwer zu verkraften, jedoch eine große Lehre für uns alle. Wer nicht scheitert, kann auch nichts gewinnen. Schön, dass sich nun der Kreis schließt.
Hand aufs Herz. Was haben Sie beim Rosenheimer Last-Minute-Treffer gedacht, als klar war, dass es wieder in die Relegation geht?
Lindner: Da hatte ich knapp zwei Tage Kopfkino. Man hat sich vorgestellt, wie schön es gewesen wäre, den Aufstieg zu feiern und welchen Gegner man in der Relegation wohl bekommt. Auch wenn ich von unserer Qualität überzeugt bin und der Kader im Vergleich zu vor zwei Jahren extrem breit aufgestellt ist, sage ich es mal mit den Worten unseres Trainers: Nur wenn wir alles reingeben, können wir überhaupt etwas bekommen.Aber es ist noch lange keine Garantie für ein positives Ergebnis. Nach zwei Tagen kam dann aber die pure Vorfreude auf das Spektakel, die Zuschauer und meine Bonus-Spiele. Dann war ich positiv gestimmt.
Barthuber: Das war schon ein richtiger Nackenschlag, als wir alle auf dem Spielfeld ins Handy geschaut haben und über den Ausgleichstreffer informiert wurden. Umso bemerkenswerter war aber unsere Reaktion. Nur wenige Stunden nach dem Spiel hatte ich das Gefühl, dass jeder einzelne heiß auf die Entscheidungsspiele war und sich darauf gefreut hat. Dazu kam dann auch noch die Überzeugung, es dieses Jahr schaffen zu können.
Gegen Hauzenberg waren Sie in beiden Spielen klar besser. Woher kam angesichts der letzten Erfahrungen diese Selbstverständlichkeit?
Barthuber: Wir haben uns auf Hauzenberg extrem gut eingestellt und wussten ganz genau, welcher Gegner uns erwartet. Zusätzlich haben wir es in beiden Spielen geschafft, an unsere Leistungsgrenze zu gehen und Hauzenberg zu beherrschen. Das war für mich persönlich der Grundstein für die beiden Siege.
Lindner: Wir sind körperlich auf einem sehr hohen Niveau unterwegs und haben klare Abläufe. Man hatte schon ein sehr gutes Gefühl von Anfang bis Ende der beiden Partien.
Ab wann waren Sie sich sicher, dass es dieses Mal wirklich klappt?
Lindner: Nachdem wir zu Beginn der zweiten Halbzeit in Hauzenberg keine Torchance mehr zugelassen haben.Wir haben sehr diszipliniert gearbeitet und einen sehr guten Torwart.
Barthuber: Auch wenn die Geschehnisse von Regensburg vor zwei Jahren bei mir durchaus noch präsent waren, war ich schon sehr überzeugt, dass wir das dieses Jahr ziehen werden. Das Traumtor von Leon im Rückspiel war schon ein Moment, in dem ich mir gedacht habe, dass das heute definitiv nicht mehr schieflaufen kann.
Welches Gefühl hat nach dem Abpfiff überwogen? Freude oder Erlösung?
Barthuber: Wenn ich ehrlich bin, eher Erlösung. Das hat man auch an unserer Reaktion unmittelbar nach Abpfiff gesehen. Mit dem ersten Kaltgetränk und den Siegerfotos war es dann Freude pur.
Lindner: Ich war erlöst und hatte zuerst für 15 Minuten noch keine Emotionen gespürt. Es war schon ein sehr großes Ziel für mich die letzten Jahre das zu packen.Dass es nun zum Abschied aus Wasserburg klappt, ist nicht zu fassen. Es freut mich für alle, die dafür gearbeitet haben und mitgefiebert haben, besonders aber tatsächlich für Barthuber und mich. Schade, dassich diesen Moment nicht mit Max Höhensteiger erreichen konnte.
Wie waren die Feierlichkeiten?
Lindner: Zuerst etwas zögerlich auf dem Platz und ich suchte auch zuerst den Kontakt zu meiner Familie und meinen engsten Kreis. Wir sind dann sehr schnell aufgetaut. Ein wenig haben wir noch im schönen Staffelberg-Stadion gefeiert und eine Kabinenpartyveranstaltet. Hauzenberg war ein sympathischer Gegner. Mein Gegenspieler Manuel Mader hat mir sein Trikot mitgegeben, das habe ich nicht mehr ausgezogen.
Barthuber: Sehr besonders. Die Party in der Kabine und im Bus. Die Sperrung der Innbrücke durch unseren Busfahrer. Der Einmarsch durch das Brucktor in die Altstadt. Die Party in der Wiesn-Alm.
Der Tag danach im Eiscafe Venezia. Und für einige geht’s nun übers Wochenende noch nach Mallorca.
Im Namen der Mannschaft auch nochmal herzlichen Dank an die Firma SAS und Manuel Scheyerl für den tollen Empfang am Frühlingsfest.
Beschreiben Sie Ihre Zeit in Wasserburg in drei Worten.
Lindner: Träume werden wahr. Oder: Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte.
Barthuber: Lehrreich. Intensiv. Erfolgreich.
jah







